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1. Die Militärgeschichte des Bornstedter Feld und der Bezug zum Campus

Das Bornstedter Feld und der Campus der Fachhochschule Potsdam haben eine lange militärhistorische Vergangenheit. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts prägten, neben den gepflegten Schlösser- und Parkanlagen, auch die Kasernen und Ausbildungseinrichtungen der preußischen Gardetruppen das Potsdamer Stadtbild. Anfang des 20. Jahrhunderts strukturierten die Reichswehr und die Wehrmacht das Bornstedter Feld nach ihren Bedürfnissen um. Die Fläche diente sogar als eine der ersten Flugplätze Deutschlands und wurde fortan für den Flugsport genutzt, bis der Versailler Vertrag dem Deutschen Reich „jegliche Luftstreitkräfte“ verbot. Anfang der 30er-Jahre wurden die Kasernengebäude auf dem heutigen Campus-Gelände erbaut. Dort war auch das Infanterie Regiment Nr. 9 stationiert. Ein Großteil von ihnen war am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Nach Ende des 2. Weltkrieges plante die Stadt die Umnutzung des Bornstedter Feldes zu einem Wohn- und Industriegebiet. Das Vorhaben konnte nicht umgesetzt werden, da die Anlage vom sowjetischen Militär besetzt, genutzt und umstrukturiert wurde.

Bild 1: Ein Luftbild des FH-Geländes aus dem Jahr 1998 ©1998, Barbara Plate
Bild 2: Die Reithalle, fotografiert aus Haus 3 ©90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 3: Der rechte Seitentrakt des Stallgebäudes ©90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 4: Die Rückseite des U-förmigen Reitstalls ©1992, Thoas Töpfer
Bild 5: Der Schießstand auf einem Luftbild aus dem Jahr 1997 ©1997, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 6: Der Schießstand mit Metallvorrichtungen ©1992, Thoas Töpfer
Bild 7: Ein Luftbild des FH-Geländes aus dem Jahr 2005 ©2005, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 8: Die Reparaturhalle mit der Aufschrift “Instandhaltung und Reperatur” ©1992, Thoas Töpfer

2. Die Übernahme der Kaserne durch die Rote Armee

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Die Architektur der Kasernen war sehr einheitlich. Charakteristisch waren die blockartigen, grauen Gebäude und der dreistöckige Bau. Die scheinbar massiven und schlicht gehaltenen Gebäude der Nationalsozialisten wirkten ernst, streng und nüchtern. Noch im Jahr 1945 bezogen Truppen der Roten Armee die Kasernen der Wehrmacht in Potsdam. Die Gebäude der Kaserne Pappelallee wurden in erster Linie als Garagen und Werkstätten, sowie zur Unterbringung der Soldaten genutzt. Das Gelände war ringsum durch eine Mauer oder Zaun abgeriegelt, die internen Vorgänge unterlagen einer extremen Geheimhaltung. In einem der Keller der Kaserne befand sich die größte Verteilerstation der militärisch- abhörsicheren Telefonanlage Potsdams.

Bild 1: Der rote Stern auf einem Tor zum Gelände ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 2: Das Haus 2, ein typischer grauer und dreistöckiger Kasernenbau ©1992, Thoas Töpfer
Bild 3: Haus 2, vom IBZ aus fotografiert ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 4: Der “Propusk”, die Zugangsberechtigung für sowjetische Kasernen ©Axel Schäfer
Bild 5: Flur des Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 6: Treppenaufgang im Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 7: Reparaturbedürftige Wand im Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 8: Treppenabgang im Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 9: Eingangstür des Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 10: Treppengeländer im Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 11: Schlichte Außenbeleuchtung am/des Haus 2 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 12: Eingang von Haus 1 ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 13: Haus 1 mit Blick auf die Georg- Hermann-Allee ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 14: Einer derMauerabschnitte um die Kaserne Pappelallee ©90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 15: Die mit Sport-Piktogrammen bemalte Mauer, Übersetzung ins Deutsche: „Sport lernen“ ©1993, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv

3. Unterkunft und Verpflegung der sowjetischen Soldaten

Das Haus 3 diente, ebenso wie Haus 1 und 2, zur Unterbringung der sowjetischen Soldaten. Die Wände einiger Räume zierten Gemälde, die die Heimatverbundenheit und -sehnsucht der hier stationierten jungen Soldaten ausdrückten. Im Erdgeschoss befand sich die Küche und der Speiseraum. Die Mahlzeiten der sowjetischen Soldaten waren einfach, kalorienreich, aber wenig abwechslungsreich. Meist betrieben die sowjetischen Kasernen Landwirtschaft, um die Nahrungsversorgung der Stationierten zu gewährleisten. Das Gelände der Kaserne Pappelallee wies zwar einen hohen Obstbaumbestand vor, andere erforderliche Lebensmittel bezog die Kaserne allerdings von Außen.

Bild 1: Der Uhrenturm von Haus 3 ©1992, Thoas Töpfer
Bild 2: Der Uhrenturm von Haus 3 © 90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 3: Der Saal im Erdgeschoss des Haus 3 © 1995, Bernd Steigerwald
Bild 4: Haus 3, mit Haus 2 im Hintergrund im Winter 1996 ©1996, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 5: Haus 3 auf dem Gelände der FH Potsdam, fotografiertim Jahr 1996 ©1996, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 6: Malerei im Haus 3: Russische Landschaft ©1995, Bernd Steigerwald
Bild 7: Malerei im Haus 3: Russische „Babuschka“ © 1995, Bernd Steigerwald

4. Die Panzerhalle und der Truppenübungsplatz

Die Panzerhalle, das älteste heute noch stehende Gebäude, diente als Fahrzeuggarage und Werkstatt. Vor ihr wurden nach dem Abzug der sowjetischen Truppen wurden einige Panzerteile gefunden.  Unweit von der Panzerhalle, auf dem heutigen Parkplatz hinter dem IBZ, befand sich der Sport- und Truppenübungsplatz. Täglich mussten die Soldaten beim Frühsport den harschen Befehlen der Offiziere zur Folge leisten. Die „Sportkleidung“ beim Frühsport bestand aus der langen Uniformhose und Fußlappen. Der Oberkörper blieb – zu jeder Jahreszeit – frei.

Bild 1: Die Panzerhalle ©1996, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 2: Panzerteile vor der Panzerhalle © 90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 3: Panzerteile vor der Panzerhalle © 90er Jahre, Bernd Steigerwald
Bild 4: Die Panzerhalle ©1993, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 5: Die Panzerhalle und das Stallgebäude im Hintergrund ©1997, Thoas Töpfer
Bild 6: Der ehemalige Truppenübungsplatz hinter Haus 3 – heute genutzt Parkplatz ©1997, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 7: Die Panzerhalle im Jahr 1998 ©1998, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv

5. Der Abzug der roten Armee - von Mannschaftsschlafräumen zu Seminarräumen

Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg plante die Stadt die Umnutzung des Ortes in ein Wohn- und Industriegebiet. Dieses konnte jedoch nicht umgesetzt werden, da das Gelände von der roten Armee besetzt wurde. Später, nach der Wiedervereinigung, zogen die sowjetischen Truppen bis 1994 aus Deutschland ab. Die Kaserne Pappelallee verließen sie schon 1992 und hinterließen diverse Alltagsgegenstände. Das leerstehende Gelände galt dann als Sondergebiet für Planungskonzepte. Es sollte eine „urbane Mischung von/aus Wohnen- und Gewerbe, Hochschul- und freizeitorientierte Nutzung sowie Angebote sozialer Infrastruktur“[1] entstehen. Nach und nach konnte das Gelände von der Fachhochschule Potsdam aufbereitet und genutzt werden. Zunächst lehrten 3 von 5 Fachbereichen hier. Seit 2017 haben alle Fachbereiche der FHP ihren Platz auf dem Campus.

[1] Vgl. Stadt Potsdam, Bornstedter Feld. URL: https://www.potsdam.de/bornstedter-feld (Letzter Aufruf: 07.06.2019)

Bild 1: Haus 4 und Haus 5 der FH Potsdam ©1993, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 2: Das Tor und das Kontrollhaus an der Pappelallee und einer der letzten hier stationierten sowjetischen Offiziere ©1991, Thoas Töpfer
Bild 3: Das Tor zur Kaserne an der Pappelallee, hier schon bewacht durch die Preußen-Wacht ©1992, Thoas Töpfer
Bild 4: Renovierung von Haus 5 ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 5: Das Bornstedter Feld 1997 ©1997, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 6: Eine Begrenzungsmauer hinter Haus 4 ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 7: Eingang des Haus 4 ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 8: Putzschäden an der Außenwand des Haus 4 ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 9: Haus 4 nach der Renovierung ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 10: Haus 4 im Jahr 1995 ©90er Jahre, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 11: Eingangsschild der Fachhochschule Potsdam, fotografiert im Jahr ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 12: Haus 5, fotografiert im Jahr 1992 ©1992, Thoas Töpfer
Bild 13: Eine Kunstinstallationmit dem Titel: “Pause” im Flur des Haus 5 ©1998, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv

6. Das Herz des Campus: Das Casino früher und heute

Das Haus 17, auch als das Casino bekannt, wurde vermutlich schon in den 20er Jahren erbaut und ursprünglich als Pferdestall genutzt. Auch diente es der Wehrmacht als Garage für Kutschen und Fahrzeuge. In der Zeit der Besetzung durch die Rote Armee wurde das Haus 17 um ein Stockwerk erweitert. Da sich dort die Offiziere in ihrer freien Zeit aufhielten, wurde es „Offizierscasino“ genannt.

 

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und dem Einzug der Fachhochschule behielt das Haus den Namen „Casino“. Schnell etablierte sich der Ort als Räumlichkeit für studentische Initiativen. Durch die Zusammenarbeit der Student*innen und Professor*innen konnte das Casino vor dem Abriss bewahrt und, in Teilen sogar im Rahmen der Lehre, saniert werden. Heute dient der studentisch-selbstverwaltete Ort als Café und Bar. Der vordere Teil des Gebäudes bietet Platz für Veranstaltungen und Partys, im hinteren Teil befinden sich die Büros der studentischen Gremien, ein Co-Working-Space und ein Projektraum.

Bild 1: Das Haus 17, fotografiert im Jahr 1992 ©1992, Thoas Töpfer
Bild 2: Der vordere Teil des Haus 17: das Casino ©1992, Thoas Töpfer
Bild 3: Das Casino vor den Renovierungen ©1999, Bernd Steigerwald
Bild 4: Das Casino vor den Renovierungen ©1999, Bernd Steigerwald
Bild 5: Das Schild des Casinoss über der Eingangstür ©2002, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 6: Der Eingang des Casinos, fotografiert im Jahr 2002 ©2002, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 7: Das Casino, betrachtet durch einMauerloch ©1992, Thoas Töpfer
Bild 8: Eine der ersten Partys im Casino ©1994, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 9: Eine Veranstaltung vor dem Casino im Jahr 2004 ©2004, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv
Bild 10: Ein Party im Casino im Jahr 2005 ©2005, Fachhochschule Potsdam, Hochschularchiv